Neue Ausstellung des Dommuseums in der Türmerstube des Frankfurter Domes eröffnet

Die neue Dauerausstellung des Dommuseums „Dom und Stadt, oder: Wofür man einen Domturm braucht“ in den drei kleinen Räumen der Türmerstube, 66 Meter über der Stadt, erzählt mit vielen Bildern und Dokumenten zum Anschauen, Lesen und Hören vom Leben und Arbeiten auf dem Turm – und über die Liebe der Einheimischen wie der Fremden zu dem Frankfurter Wahrzeichen. Berichte von Besucher:innen wie Victor Hugo und Cornelia Goethe, eine dreidimensionale Installation des Künsterinnen-Duos Sounds of Silence und ein animierter Film von Stefan Matlik lassen den Alltag des Domtürmers in der Türmerstube wieder lebendig werden. Die Schauspieler Michael Quast und Stefani Kunkel leihen dem Domtürmer und seiner Frau ihre Stimmen.
In Frankfurt beschlossen Stadtrat und Bartholomäus-Stift – das ist der heutige Dom – im Jahr 1414 gemeinsam den Bau des Pfarrturms. Der Kirchturm war also von Anfang an vor allem ein städtisches Gebäude. Aus dieser doppelten Auftraggeberschaft resultierte eine fortdauernde Konkurrenz um die Nutzung. Dabei ging es vor allem um die im Turm aufgehängten Glocken – die Stimme der Stadt.
Aufgrund der langen Bauzeit und der hohen Kosten kamen die Bauarbeiten an vielen Kirchtürmen im 16. Jahrhundert zum Erliegen – so auch in Frankfurt. 1514 war man bei 67 Metern angelangt und die kleine Kuppel auf der Turmspitze wurde geschlossen. Die zierliche gotische Laterne nach dem Entwurf von Madern Gerthener wurde nicht vollendet, auch der Skulpturenschmuck und die filigrane Bauzier wurden nicht ausgeführt. So blieb der Turm als Zweckbau über Jahrhunderte stehen.
Die Diskussion um seine Vollendung wurde bereits im 18. Jahrhundert geführt. Mit den verlorenen Kriegen gegen die Armeen Napoleons und der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation 1806 belebte sich das Interesse an der Gotik als angeblich deutschem Nationalstil aufs Neue und führte zur Vollendung vieler Domkirchen und -türme wie in Köln, Regensburg, Ulm und Frankfurt. Hier gab 1867 der verheerende Dombrand den Ausschlag: Der Architekt und Ingenieur Franz Josef Denzinger, der sich zuvor in Regensburg bewährt hatte, wurde mit der Restaurierung und einem teilweisen Neubau des Doms beauftragt. Nach zehn Jahren Bauzeit konnte die Kreuzblume auf die neue Turmspitze gesetzt werden, 1880 bezog die Frankfurter Feuerwehr die Brandwache in der Türmerstube.
Als höchstes Gebäude der Stadt war der Domturm ein beliebter Aussichtspunkt. Viele Besucher:innen idealisierten das Leben der Türmer als einsame Wächter hoch oben, weit entfernt vom Getriebe der Stadt. In Goethes „Türmerlied“ aus Faust II, das mit den Zeilen „Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt“ beginnt, wird der Typus entworfen.
Tatsächlich war das Leben auf dem Turm nicht einfach. Die Türmer verpflichteten sich, 24 Stunden Wache zu halten. Vor allem ging es dabei um die Feuerwache – und damit um die Existenz der Stadt. Zu den Aufgaben gehörte auch das Zeitläuten und das Anblasen des Marktschiffs, das täglich aus Mainz kam. Bei ihrem Dienst wurden die Türmer von den Nachtwächtern aber auch von ihren Familien unterstützt. Auf diese Weise waren oft auch Frauen mit dem Türmerdienst betraut. Der Pfarrtürmer Alexander Mengel beklagt 1630, dass „ich keine Stund, weder Tag noch Nacht von dem Turm darff […], also dass ich ganz einem gefangenen Mann gleich bin“. Und der Verleger George Friedrich Hartmann aus Königsberg schreibt 1808 „Man sollte Menschen eigentlich nur zur Strafe dahin senden“.
Als Ende des 19. Jahrhunderts die Feuerwehr professionalisiert wurde, verblieb die Brandwache auf dem Domturm. In den 1920er und 1930er Jahren wurde sie mit dem zunehmenden Altstadt-Tourismus ein wichtiges Ziel. Die Türmerstube von Johannes und Elisabeth Rüb ist fotografisch gut dokumentiert. Originales Mobiliar ist allerdings nicht erhalten. Eine Installation des Künstlerinnen-Duos „Sounds of Silence“ (Umsetzung: Christian Dörner) entführt in der Ausstellung in die Zeit, als noch Türmer auf dem Domturm lebten.
Die Dauerausstellung „Turm und Stadt, oder: Wofür man einen Domturm braucht“ ist jeden Samstag von 13 bis 18 Uhr, von November bis März, 13 bis 17 Uhr, geöffnet. Der Eintritt kostet fünf Euro, drei Euro ermäßigt.
Weitere Informationen finden sich unter dommuseum-frankfurt.de oder unter Telefon 069/13376186 (Museumskasse) oder 069/8008718290 (Dommuseum Verwaltung).
Zusätzlich findet am Sonntag, 7. September, um 20 Uhr auf der Aussichtsplattform des Domturms die Veranstaltung „Full Moon – Mondfinsternis und Vollmond“ erklärt vom Physikalischen Verein statt. Treffpunkt ist am Kassenhäuschen des Turms, die Teilnahme kostet sechs Euro plus Eintritt. Um Anmeldung per E-Mail an fuehrungen@dommuseum-frankfurt.de wird gebeten.