Aktuelle Ausgabe zum Lesen  eye   zum Hören  ear
Schriftgröße  

Klima- und Umweltdezernentin Zapf-Rodríguez legt Waldzustandsbericht 2026 vor / Hoffnungsschimmer bei jungen Bäumen und Naturverjüngung

Grüne und gelbe Birkenblätter, die im Herbst von niedriger Sonne hinterleuchtet werden
Foto: unsplash

Der Frankfurter Stadtwald steht weiterhin unter erheblichem Druck. Das zeigt der aktuelle Waldzustandsbericht 2026, der am gestrigen Mittwoch, 4. November, vorgestellt wurde. Die Hälfte aller untersuchten Bäume ist demzufolge stark geschädigt, kerngesunde Bäume sind kaum noch zu finden. Bereits 2025 (45,6 Prozent) wurden neue Höchstwerte bei stark geschädigten Bäumen dokumentiert. 2026 erreicht ihr Anteil mit nun 49,7 Prozent einen neuen Höchstwert seit Beginn der Erhebungen.
„Die Kombination aus Trockenheit und Hitze führt zu Schäden in einem Ausmaß, das wir so bisher nicht kannten. Besonders die älteren Bäume leiden darunter“, betont Klima- und Umweltdezernentin Tina Zapf-Rodríguez. „Der Zustand unseres Stadtwaldes zeigt, wie dringend wir beides brauchen: konsequenten Klimaschutz, damit sich die Erderwärmung nicht weiter verschärft, und eine vorausschauende Anpassung an die Folgen, die bereits heute spürbar sind. Gerade bei unseren Wäldern sehen wir, wie eng beides zusammengehört.“
Die Schäden gehen vor allem auf die Witterung der vergangenen Jahre und das extreme Jahr 2026 zurück. Auf ein zu trockenes und warmes Frühjahr folgte ein außergewöhnlich heißer Sommer. Neue Temperaturrekorde im Juni und die extreme Trockenheit im Juli verschärften die ohnehin angespannte Wasserversorgung der schon aus den Vorjahren geschädigten Bäume. Die im Zuge des Klimawandels häufiger auftretenden Hitze- und Trockenstressphasen beeinträchtigen die Vitalität vieler Baumarten erheblich.
Für den Waldzustandsbericht wurden im Juli und August 2026 auf insgesamt 166 dauerhaft angelegten Probeflächen Daten erhoben: Jede Fläche hat die Größe von 500 mal 500 Meter, auf denen jeweils zehn markierte Bäume regelmäßig begutachtet wurden. Insgesamt wurden 1660 Bäume untersucht. Die Auswahl ist repräsentativ für die Baumartenverteilung im Frankfurter Stadtwald. Erfasst wurde der Belaubungszustand, also die Kronenverlichtung der Bäume, die Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand erlaubt. Die Einschätzung erfolgt visuell in vier Schadstufen – von „keine Verlichtung“ bis „stark geschädigt oder abgestorben“.
Danach zeigen 96,4 Prozent aller untersuchten Bäume Kronenverlichtungen und damit Anzeichen für Schäden. 49,7 Prozent der Bäume sind sogar stark geschädigt (Schadstufe 3). Das ist der höchste Anteil seit Beginn der Erhebungen. Positiv lässt sich aber eine leichte Zunahme an Bäumen ohne Kronenverlichtung (3,6 Prozent im Vergleich zu 2,3 Prozent im Vorjahreszeitraum) feststellen.  
Ebenfalls positiv vermerkt der Waldzustandsbericht den Zustand jüngerer Buchen, also jünger als 60 Jahre. Hier ist die Vitalität stabil bis leicht zunehmend. Als besonders erfreulich nennt der Bericht auch die natürliche Verjüngung des Waldbestands. Sie deute darauf hin, sagt Dr. Tina Baumann, Leiterin der Abteilung StadtForst des Grünflächenamts, dass sich nachwachsende Bäume unter den veränderten Bedingungen behaupten können. Diese Entwicklung lasse hoffen, dass sich der Stadtwald langfristig zumindest in Teilen regenerieren könne, sagt Baumann: „Wir sollten uns von diesen positiven Signalen aber nicht täuschen lassen. Die durch den Klimawandel in kurzer Zeit verursachten Schäden sind gravierend. Unser Ziel ist es deshalb, durch eine vorausschauende, naturgemäße und nachhaltige Waldpflege mit vielfältigen Baumarten den Wald widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel zu machen.“
Angesichts der erheblichen Schäden setzt der StadtForst auf verschiedene Maßnahmen, um den Wald langfristig zu stabilisieren und seine Anpassungsfähigkeit zu stärken. Dazu werden Flächen gezielt mit unterschiedlichen heimischen Baumarten aufgeforstet, darunter Traubeneiche, Esskastanie und Vogelkirsche. Zudem sammeln Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des StadtForsts Saatgut von widerstandsfähigen Bäumen im Stadtwald, aus dem neue Bäume gezogen werden. Auf eigens dafür angelegten Versuchsflächen wird fortlaufend untersucht, welche Maßnahmen langfristig am besten zur Stabilisierung und Erhaltung des Waldes beitragen.
Der Waldzustandsbericht wird jährlich vom Grünflächenamt erstellt. Er dient dazu, den Gesundheitszustand des Frankfurter Stadtwaldes systematisch zu erfassen und die Entwicklungen im zeitlichen Verlauf zu dokumentieren.